Der Krieg als Geschäftsplan

Gestern, während die europäischen Börsen ihre Pforten schlossen — Euronext Paris um 17:30 Uhr, London um 16:30 Uhr — lieferte Kevin Hassett den noch aktiven amerikanischen Investoren an der NYSE die magische Formel der Trump-Administration: "Es kostet Geld, um böse Jungs zu töten". Ein Satz, der die Transformation der Außenpolitik in ein Investitionsprodukt perfekt zusammenfasst.

Als Direktor des Nationalen Wirtschaftsrat versteckt Hassett nichts mehr. Die bereits ausgegebenen 12 Milliarden sind nur ein Appetithappen vor dem Hauptgericht: ein Haushaltsantrag über 200 Milliarden für militärische Operationen im Zusammenhang mit dem Iran. Laut Informationen von CNBC erfolgt diese Ankündigung in einem Kontext, in dem die amerikanischen Märkte, die bis 16:00 Uhr Ortszeit geöffnet sind, diese Perspektiven sofort in ihre Berechnungen einfließen lassen können.

Die Arithmetik der Zerstörung

Lassen Sie uns die Zahlen betrachten. 200 Milliarden Dollar sind mehr als das BIP von Ungarn, Marokko oder Ecuador. Es ist auch, nebenbei bemerkt, mehr als das jährliche Budget für die amerikanische Bildung. Aber Hassett kümmert sich nicht um solche Vergleiche. Für ihn ist der Krieg zu einer Haushaltslinie wie jede andere geworden, mit seinen Prognosen, seinen Zuweisungen und vor allem seinen Begünstigten.

Dieser buchhalterische Ansatz des Konflikts offenbart eine grundlegende Veränderung der amerikanischen Militärdoktrin. Wir befinden uns nicht mehr in der Logik des "Blitzkriegs", die den Strategen des Pentagons lieb ist, sondern in der des "dauerhaften Konflikts", die den Aktionären von Lockheed Martin, Raytheon und Co. gefällt. Wenn die asiatischen Märkte morgen früh öffnen — Shanghai um 9:30 Uhr, Tokio um 9:00 Uhr — haben sie die ganze Nacht Zeit, um diese Wachstumsperspektiven im Verteidigungssektor zu verdauen.

Das Timing ist nie unschuldig

Hassetts Ankündigung erfolgt zu einem besonders aufschlussreichen Zeitpunkt. Während die Spannungen mit dem Iran zunehmen, entscheidet sich die Trump-Administration, zunächst über die finanziellen Aspekte und nicht über strategische zu kommunizieren. Diese Priorität, die den Zahlen über die Geopolitik eingeräumt wird, sagt viel über die wahren Motivationen dieser Eskalation aus.

Die bereits engagierten 12 Milliarden stellen einen Test im großen Stil dar. Sie ermöglichen es, den Appetit des Kongresses und der Märkte auf massive Militärausgaben zu messen. Die positive Reaktion der amerikanischen Indizes — die bis zur Schließung um 16:00 Uhr noch beobachtbar ist — validiert diese Strategie der finanziellen Kommunikation.

Die wahren Gewinner der Gleichung

Hinter den großen Reden über nationale Sicherheit verbirgt sich eine prosaïsche Realität: Dieser angekündigte Krieg ist in erster Linie ein Glücksfall für die Rüstungsindustrie. Die von Hassett erwähnten 200 Milliarden werden nicht vom Himmel fallen. Sie werden aus anderen Haushaltspositionen abgezogen oder durch Verschuldung finanziert, was de facto einen Vermögenstransfer zu den Militärauftragnehmern schafft.

Diese Logik ist nicht neu, aber sie erreicht heute ein beispielloses Maß an Zynismus. Hassett nimmt sich nicht einmal mehr die Mühe, diese Ausgaben durch strategische Imperative zu rechtfertigen. Seine Formel — "Es kostet Geld, um böse Jungs zu töten" — fasst diese utilitaristische Sicht auf staatliche Gewalt perfekt zusammen.

Europa als Zuschauer seiner eigenen Marginalisierung

Während Washington seine 200 Milliarden für Militärausgaben plant, haben die europäischen Börsen ohne nennenswerte Reaktion geschlossen. Diese unterschiedliche Geschwindigkeit veranschaulicht perfekt den laufenden geopolitischen Rückstand. Wenn die europäischen Märkte morgen früh wieder öffnen — Paris und Frankfurt um 9:00 Uhr — werden sie eine Welt entdecken, in der die Vereinigten Staaten einmal mehr einen Schritt voraus sind in der Militarisierung der Wirtschaft.

Diese zeitliche Asymmetrie ist nicht zufällig. Sie spiegelt eine tiefere Realität wider: Europa erleidet die amerikanischen Entscheidungen, ohne sie beeinflussen zu können. Die europäischen Investoren können nur die vollendeten Tatsachen zur Kenntnis nehmen, die während ihrer Schließzeiten beschlossen wurden.

Die Schulden als Kriegswaffe

Die 200 Milliarden von Hassett werfen eine grundlegende Frage auf: Wer wird bezahlen? Die Trump-Administration setzt auf ihre unbegrenzte Verschuldungsfähigkeit, um ihre militärischen Abenteuer zu finanzieren. Diese Strategie verwandelt die amerikanische Staatsverschuldung in ein Instrument der Machtprojektion und schiebt die tatsächlichen Kosten dieser Operationen auf zukünftige Generationen.

Dieser Ansatz offenbart ein besonderes Verständnis von Kriegsökonomie. Anstatt die vorhandenen Ressourcen zu mobilisieren, zieht es die Administration vor, Schulden zu schaffen, um ihre geopolitischen Ambitionen zu finanzieren. Eine Logik, die funktioniert, solange die Märkte — sowohl amerikanische als auch internationale — weiterhin Vertrauen in den Dollar haben.

Das Eingeständnis einer Strategie

Letztendlich stellt Hassetts Erklärung ein Eingeständnis dar. Sie offenbart, dass diese Eskalation mit dem Iran nicht das Ergebnis einer strategischen Notwendigkeit ist, sondern eines wirtschaftlichen Kalküls. Die "bösen Jungs" von Hassett sind in erster Linie Haushaltsmöglichkeiten, bevor sie geopolitische Bedrohungen darstellen.

Diese Finanzialisierung des Krieges markiert einen weiteren Schritt in der Transformation des amerikanischen Staates zu einer Maschine zur Umverteilung von Reichtum an seine wirtschaftlichen Eliten. Wenn die Märkte im Golf morgen ihre Pforten öffnen — Abu Dhabi um 10:00 Uhr — werden sie eine Welt entdecken, in der der Krieg offiziell zu einem Investitionsprodukt wie jedem anderen geworden ist.

Hassetts Formel bleibt: "Es kostet Geld, um böse Jungs zu töten". Sie fasst perfekt die Epoche zusammen, in die wir eintreten, die, in der staatliche Gewalt als Geschäftsmodell akzeptiert wird.